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Geschichtswissenschaft in Halle1694-1817: Von der Gründung der Universität Halle bis zur Vereinigung mit der Universität Wittenberg Die universitäre Geschichtswissenschaft in Halle kann auf eine gut dreihundertjährige Tradition zurückblicken, die bereits bei der Einrichtung der Universität 1693, also noch vor der Einweihung durch den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm III. 1694, ihren Anfang nahm. Von dem im selben Jahr zum Dekan der philosophischen Fakultät gewählten Philologen und Historiker Christoph Cellarius (1638-1707) wurde sie in den ersten Jahren prominent vertreten; Cellarius ist bekannt als derjenige, der die heute übliche Epocheneinteilung der Geschichte in Altertum, Mittelalter und Neuzeit erstmals schriftlich fixierte, und gehört damit zweifellos zu den Schlüsselfiguren der Historiographiegeschichte. In der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde die Geschichtswissenschaft an der Universität Halle neben und nach Cellarius von den schon in frühen Universitätsgeschichten als bedeutend eingeschätzten Historikern Johann Peter von Ludewig (1668-1743) und Nicolaus Hieronymus Gundling (1671-1729) geprägt. Ludewig zog Geographie, Ethnologie und Volkswirtschaft für die Geschichtsschreibung heran und beschritt damit neue Wege in der Disziplin. Neben den heute noch geläufigen Namen gab es natürlich eine große Zahl weiterer Gelehrter, sowohl ordentlicher als auch außerordentlicher Professoren und Privatdozenten, die aus unterschiedlichen Positionen der Lehre der Geschichte verpflichtet waren. Sie waren vornehmlich an der Philosophischen Fakultät angebunden wie der bekannte Altphilologe Friedrich August Wolf (1759-1824), der neben Vorlesungen zur Philosophie auch solche über Universalgeschichte hielt, und vertraten dort Geschichte in verschiedenen Fächerkombinationen. Darüber hinaus wurde auch in der Theologischen, der Juristischen und der Medizinischen Fakultät Geschichte gelehrt und geschrieben, so etwa von dem Theologen Johann Salomo Semler (1725-1791), dem Professor für Lehnrecht Jacob Carl Spener (1684-1730) - Sohn des Theologen Philipp Jacob Spener - oder dem Mediziner Johann Friedrich Gottlieb Goldhagen (1742-1788). Die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts galt in der Wahrnehmung der Zeitgenossen wie der Historiker des neunzehnten Jahrhunderts als eine weniger fruchtbare Epoche der hallischen Geschichtswissenschaft, da die Nachfolger von Ludewig und Gundling nicht an die Bedeutung ihrer Vorgänger heranreichten - ein Urteil, das Wilhelm Schrader in seiner Geschichte der Universität Halle von 1894 mit einiger Vehemenz vertritt. Dagegen muss aber aus heutiger Perspektive festgehalten werden, dass auch die Professoren, die sich seit den 1750er Jahren an der Universität Halle mit Geschichte befaßten, Werke von historiographiegeschichtlich bleibendem Wert hinterließen. Christian Adolph Klotz (1738-1771) etwa gab unter anderem die Neuen hallischen gelehrten Zeitungen heraus, während Johann Christoph Hoffbauer (1766-1827), Professor der Philosophie ab 1799, neben zahlreichen philosophischen Schriften auch eine Geschichte der Universität Halle bis 1805 verfaßte. Im gesamten achtzehnten Jahrhundert wurde die Geschichtswissenschaft zumeist nur in Verbindung mit Fächern wie Staatsrecht, Beredsamkeit und Philosophie an der Universität Halle vertreten; es gab aber schon früh Professoren, die sich allein der Geschichte widmeten, wie etwa seit 1703 Johann Peter von Ludewig und von 1762 bis 1767 Johann Friedrich Joachim (1713-1767), oder ausdrücklich für Geschichte berufen wurden wie im Jahre 1779 Matthias Christian Sprengel (1746-1803), der bereits 1785 eine Geschichte der amerikanischen Revolution verfaßte. Welche Schwerpunkte jeweils gesetzt wurden, war dem jeweiligen Lehrstuhlinhaber überlassen; die Denominationen der Lehrstühle unterschieden aber - je nach Fakultätszugehörigkeit - bereits nach Geschichte, den sogenannten Altertümern, Rechtsgeschichte, Kirchengeschichte und Naturgeschichte, wobei unter Altertümern vor allem die Werke antiker Schriftsteller zu verstehen sind, während Naturgeschichte wohl den heutigen Naturwissenschaften entsprach und folgerichtig gemeinsam mit Fächern wie Mineralogie - beispielsweise durch den Naturforscher und Weltreisenden Johann Reinhold Forster (1729-1788) - gelehrt wurde. Den zeitgenössischen Vorlesungsverzeichnissen ist zu entnehmen, dass die Studenten die Wahl unter Veranstaltungen zu Universalgeschichte, Reichsgeschichte, deutscher Geschichte und sogar Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts hatten. Renko Geffarth Literatur
URL: www.historikertag2002.uni-halle.de /halle_geschichte/1694_1817.shtml . 17.05.2012 , webmaster@historikertag2002.uni-halle.de |