Traditionen - Visionen
44. Deutscher Historikertag in Halle an der Saale
vom 10. bis 13. September 2002

 

Dem Gedächtnis Gestalt geben: Computer-Rekonstruktionen zerstörter Bauwerke - Anwendung, Sinn und Nutzen

Das Abstract zum Referat von Manfred Koob, Darmstadt in Sektion 6.2 Geschichte im virtuellen Raum

Wenn Architektur auf den drei Komponenten Kunst, Technik und Gesellschaft beruht, dann lässt sich der Umkehrschluss ziehen, dass diese Komponenten einzeln oder gemeinsam Ursache für deren Verschwinden, deren Zerstörung sein können.

In allen Komponenten hinterlassen nicht mehr vorhandene Bauwerke trotzdem Spuren, sei es in Wort oder Bild, im Physischen wie im Nichtphysischen. Sie bilden ein Gedächtnis, das in verteilten Dokumenten und an verschiedenen Orten, sach- und fachspezifisch zu finden ist.

An Beispielen der 3D-Computerrekonstruktionen von Cluny III, dem Kloster Lorsch, dem Vatikanischen Palast der Hochrenaissance und der zerstörten deutschen Synagogen soll gezeigt werden, wie der Ansatz und die Methodik ist, dieses verteilte Gedächtnis zu nutzen, Bauwerke wieder virtuell zu errichten, von denen man glaubte, dass sie für immer verloren waren.

Neben dem technischen und methodischen Ansatz soll aufgezeigt werden, welches Potenzial die digitalen Medien besitzen, das vorhandene Wissen zu verifizieren, zu fusionieren und gleichzeitig zu verdichten.