Geschichtswissenschaft in Halle

Lindner, Theodor

Theodor Lindner Historiker. *29. 5. 1843 Breslau, + 24. 11. 1919 Halle.
Das Studium in seiner Heimatstadt Breslau 1861 beginnend, war er geprägt von seinem Aufenthalt in Berlin, wo er sowohl bei Droysen als auch bei Ranke hörte. Ranke promovierte ihn 1865 mit dem mittelalterlichen Thema Das Konzil von Mantua im Jahre 1064. Seine Habilitation, mit der er 1868 in Breslau erfolgreich war, behandelte mit Erzbischof Anno II. eine hochmittelalterliche Figur. Bemerkenswert ist der Umstand, daß sich Lindner seitdem auf die Erforschung des Spätmittelalters konzentrierte. Bahnbrechend waren seine Werke über König Wenzel (1875/1880), die Veme (1888) und die Hanse (1898). Seit 1874 außerordentlicher Professor in Breslau, gelangte er 1876 auf den Lehrstuhl in Münster. 1888 wurde er als Nachfolger Dümmlers nach Halle berufen. Gesegnet mit der Fähigkeit zum schnellen Arbeiten, durchbrach er in seiner hallischen Zeit mit der Geschichte des deutschen Volkes (1894) und vor allem mit seiner bis 1916 zehnbändigen Weltgeschichte noch einmal die Spezialisierung des Teilfaches in der Tradition seines Doktorvaters und derjenigen seines Vorgängers in Halle, Heinrich Leo. In der Nachfolge Dümmlers war er seit 1889 auch Vorsitzender der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt. 1904 wählte man ihn zum Rektor der Vereinigten Friedrichs-Universität. (St.S.)

Literatur
B. Mütter, Geschichtswissenschaft in Münster 1980, S. 208ff.
Theo Sommlad, Theodor Lindner, in: Mitteldeutsche Lebensbilder 5, 1930, S. 503-519.

Hallische Historiker
Geschichtswissenschaft in Halle (1871 - 1918)