Percy Gothein und die Entdeckung des politischen Humanismus

Das Abstract zum Referat von Stephan Schlak, Berlin in Sektion 5.14 Stefan George und die Geschichtswissenschaft. Versuche zu einer Bilanz

Percy Gothein ist ein Fall für die Kulturgeschichte des George-Kreises. Was Stefan George für Gottfried Benn im Grossen war – ein Durchkreuzungsphänomen - war der Sohn aus bildungsbürgerlichem Gelehrtenhaushalt für den George-Kreis im Kleinen. In ihm sammeln sich die Konfliktfelder des Kreises (Kunst, Wissenschaft, Erziehung, Bildung). Dabei ist er als Geschichtsschreiber nie aus der zweiten Reihe des Kreises herausgetreten. Seine Forschungen zum venezianischen Frühhumanismus wurden als Habilitationsschrift abgelehnt. Aber gerade sein akademisches Scheitern macht Percy Gothein zu einem lohnenden Forschungsgegenstand. Scheitern ist der große Topos der zwanziger Jahre. Enttäuschte Hoffnungen, gescheiterte Erwartungen waren in der Umbruchsphase der Zwischenkriegszeit ein Massenphänomen. In Percy Gotheins steckengebliebener Karriere spiegelt sich eine junge „überflüssige“ Generation, die nach dem Krieg auf den überfüllten Arbeitsmarkt drängte. Kaum ein anderer aus dem Dichterkreis hat so Erwartungen wie Polemiken auf sich gezogen. Bis heute ist er in der Memoriallitertur des George-Kreises die umstrittenste Figur. Percy Gothein, der Humanismusforscher, Motorradfahrer und Georgeaner, ist 1944 im Konzentrationslager Neuengamme umgekommen. Mein Vortrag soll der legendären und historischen Figur Percy Gothein auf die Spur kommen.