Programm

  7.3   Wohin führt der Weg? Fachzeitschriften im elektronischen Zeitalter

Freitag, 13. September, 9 - 13 Uhr
Universitätsplatz - Melanchthonianum HS XX

Leitung: Winfried Schulze, München, Gudrun Gersmann, München und Matthias Schnettger, Mainz

„Hat die geisteswissenschaftliche Zeitschrift eine Zukunft?“ Nicht ohne Grund ist ein neuerer Artikel aus der Feder des Frankfurter Verlegers Vittorio Klostermann mit einem – apokalyptisch anmutenden – Fragezeichen überschrieben. Tatsächlich zeichnen sich im Bereich des (geistes)wissenschaftlichen Publikationswesens derzeit dramatische Entwicklungen ab, die etablierte Strukturen des Faches in ihren Grundfesten zu erschüttern scheinen: Lange Zeit waren es die gedruckten Fachzeitschriften, die als Kommunikationsmedium par excellence fungierten. Sie stellen zwar nach wie vor zentrale Informationswerkzeuge der einzelnen Wissenschaftszweige und Fachbereiche dar, aber sie sind teuer geworden, - zu teuer.

Weltweit sehen sich die Bibliotheken heutzutage mit gravierenden Preiserhöhungen konfrontiert, die ihre Etats zu sprengen drohen: Den Angaben der US-amerikanischen Association of Research Libraries zufolge haben ihre 114 Mitglieder im Jahre 1997 142% mehr für ihre Abonnements von Fachzeitschriften ausgeben müssen als 1987, während die Zahl der bestellten Titel zugleich um 6% gesunken ist. Obwohl große Forschungsbibliotheken wie die Bayerische Staatsbibliothek von den skizzierten Vorgängen in besonderem Maße betroffen sind, können andererseits auch kleinere Institutsbibliotheken die notwendigen Mittel für die partiell fast unerschwinglich gewordenen Abonnements kaum mehr aufbringen. Die Abbestellung der einen oder anderen Zeitschrift ist unter solchen Bedingungen dann oft unumgänglich, obwohl Lehrenden und Studierenden damit wertvolle und forschungsrelevante Informationsquellen entzogen werden.

Liegt der Ausweg für das Dilemma im elektronischen Publizieren? Einiges spricht dafür, beginnen viele Bibliotheken angesichts der von den Branchengiganten betriebenen Preispolitik doch ihre Rolle als Schnittstelle zwischen Online-Anbietern und Benutzern zunehmend neu zu definieren, und stehen die potentiellen Autoren virtueller Journale selbst dem Netz inzwischen doch weit weniger skeptisch gegenüber als noch vor Jahresfrist. Auch wenn die Geisteswissenschaften in aller Regel unter einem geringeren Aktualitätsdruck stehen als die „STM-Fächer“ (Science, Technology and Medicine), lässt sich in den vergangenen Jahren eine wachsende Offenheit gegenüber elektronischen Journalen – wie den Rezensionsjournalen iasl online (http://iasl.uni-muenchen.de) und sehepunkte (http://www.sehepunkte.de) oder dem neuen Journal zeitenblicke (http://www.zeitenblicke.de) - beobachten,

Elektronisches Publizieren bedeutet dabei keineswegs den Verzicht auf die klassischen Maßnahmen der Qualitätssicherung: Viele e-Journale unterziehen sich ganz bewusst einem aufwendigen Peer-Review-System, das durch die explizite Einbeziehung von Gutachtern den wissenschaftlichen Standard der Publikation sichern soll.

Auf absehbare Zeit werden die großen gedruckten Fachzeitschriften im Fach Geschichte mit Sicherheit zwar nicht von Netzpublikationen abgelöst werden, dennoch lohnt sich eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage, wie das Verhältnis von Internet und Fachzeitschriften – speziell auch in Hinsicht auf die notwendige Wahrung wissenschaftlicher Standards langfristig beschaffen sein könnte: Wie wird die Zukunft der Fachzeitschriften aussehen? Welche Schwierigkeiten wirft das elektronische Publizieren auf? Geben die Potentiale der digitalen Medien Anlaß zur Euphorie, oder müssen die Unwägbarkeiten elektronischer Langzeitarchivierungen und online-Subskriptionen nicht vielmehr äußerst kritisch beurteilt werden?

Im Verlauf dieser Veranstaltung sollen Probleme und Perspektiven des „wissenschaftlichen Publizierens im elektronischen Zeitalter" mit namhaften Fachleuten erörtert werden. Ein einführender Bericht und kurze „statements“ der Teilnehmer sollen in einer ersten Runde zunächst auf dem Podium diskutiert werden, ehe die Debatte in der zweiten Runde für das Publikum geöffnet wird.

Lothar Gall, Frankfurt/ M.

Winfried Schulze, München

Gudrun Gersmann, München

Matthias Schnettger, Mainz

Rüdiger Hohls, Berlin

Vittorio Klostermann, Frankfurt

Bernd Dugall, Frankfurt